Methodik.
Wie SPIT. dein orales Mikrobiom (die Gesamtheit der Bakterien in deinem Mund) liest — und warum das mehr ist als ein Mund-Check.
Karies, Parodontitis, Diabetes —
dieselbe Krankheitsfamilie.
Was sind NCDs? Die WHO klassifiziert Karies, Parodontitis und Mundkrebs als nicht-übertragbare Erkrankungen — non-communicable diseases, kurz NCDs. Derselben Familie wie Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs und chronische Atemwegserkrankungen.
Sie teilen Treiber — Zucker, Stress, Schlaf, Lebensstil — und einen gemeinsamen Mechanismus: chronische, leise Entzündung. Das orale Mikrobiom sitzt mittendrin. Es ist Spiegel deines Alltags und Schnittstelle zum Rest des Körpers.
SPIT. liest diesen Spiegel — kein Krankheits-Test, sondern ein Blick auf eine Balance, die dein Alltag formt.
Quelle: World Health Organization. Noncommunicable diseases — Key facts. Sheiham A, Watt RG. The common risk factor approach: a rational basis for promoting oral health. Community Dent Oral Epidemiol 28 (2000): 399–406.
Das volle Bild,
nicht die Silhouette.
Was ist Shallow Shotgun Sequencing? SPIT. liest aus deinem Zungenabstrich einen Querschnitt der gesamten DNA aller Bakterien — nicht nur ein einzelnes Erkennungsgen. Aus 1–2 Millionen Fragmenten rekonstruieren wir, welche Arten in deinem Mund leben. Nicht nur, welche Familien dort vorbeischauen.
Die meisten Mikrobiom-Tests arbeiten anders. Sie prüfen, ob eine Handvoll bekannter Bakterien da ist — ein Abgleich gegen rund 30 Kandidaten auf Ebene grober Gattungen. Das ist 16S rRNA-Sequenzierung: günstig, schnell, aber grobkörnig.
Du siehst nicht nur, wer da ist. Du siehst auch, wer da ist, den bisher niemand gesucht hat. Die Sequenzierung läuft im DE-Partnerlabor in einem Wellness-Setup nach IVDR-Vorgaben.
16S-Vergleich: Caporaso JG et al. Global patterns of 16S rRNA diversity at a depth of millions of sequences per sample. PNAS 108 Suppl 1 (2011): 4516–4522. Shotgun-Tiefe in oralem Kontext: Hillmann B et al. Evaluating the Information Content of Shallow Shotgun Metagenomics. mSystems 3 (2018): e00069-18.
Die Zunge ist nicht der Darm.
Und auch nicht der Zahn.
Warum misst SPIT. die Zunge — und nicht den Speichel oder den Darm? Jede Nische im Körper hat ihr eigenes Ökosystem, geformt durch Sauerstoff, pH-Wert, Feuchtigkeit, Nahrung. Wer im Darm zuhause ist, überlebt im Mund nicht. Wer auf der Zunge wohnt, ist auf der Wangenschleimhaut fehl am Platz.
Deshalb misst SPIT. gezielt die Zunge — nicht Speichel, nicht Plaque, nicht den Darm. Die Zunge ist die artenreichste Oberfläche im Mund und liefert das stabilste, vergleichbarste Bild über die Zeit.
Habitat-Zuordnung charakteristischer Gattungen nach dem Human Microbiome Project. Quelle: The Human Microbiome Project Consortium. Structure, function and diversity of the healthy human microbiome. Nature 486 (2012): 207–214.
Wer normalerweise
in deinem Mund lebt.
Welche Bakterien leben normalerweise im Mund? Rund ein Drittel aller Bakterien im Mund sind Streptococcus. Zehn Gattungen machen zusammen etwa 60 % aus. Der Rest verteilt sich auf Dutzende kleinerer — genau dieses lange, leise Spektrum, das die meisten Tests übersehen, misst SPIT.
Diese Liste ist die Referenz aus der Human Oral Microbiome Database — dein eigenes Profil weicht davon ab. Genau diese Abweichung ist der interessante Teil.
- Streptococcus28,5 %
- Veillonella9,8 %
- Selenomonas3,5 %
- Gemella3,3 %
- Fusobacterium3,0 %
- Lactobacillus2,8 %
- Prevotella2,7 %
- Neisseria2,3 %
- Dialister2,0 %
- Actinomyces1,9 %
- Andere Gattungen40,2 %
Daten: Human Oral Microbiome Database (HOMD), aggregiert in Wade WG, Immunology Letters 162 (2014): 22–38. Werte beziehen sich auf durchschnittliche Gattungs-Anteile in der oralen Mikrobiota gesunder Erwachsener; individuelle Verteilungen variieren.
Alle balancierten Mikrobiome ähneln sich.
Jede Dysbalance ist anders.
Was ist das Anna-Karenina-Prinzip im Mikrobiom? Es gibt viele Wege, ein Mundmikrobiom aus der Balance zu bringen — aber nur wenige Muster von Balance selbst. Zaneveld und Kolleg·innen beschrieben dieses Prinzip 2017 als Mikrobiom-Äquivalent zu Tolstois Anna Karenina: Balancierte Profile clustern eng zusammen, Abweichungen verteilen sich individuell. (In der Fachliteratur heißt das Dysbiose — wir nennen es Dysbalance.)
Praktisch heißt das: Es gibt nicht ein „dysbalanciertes Profil", das jede·r mit Symptomen teilt. Deine Dysbalance ist deine eigene — und braucht eine eigene Lese-Anleitung.
Konzept nach Zaneveld JR, McMinds R, Vega Thurber R. Stress and stability: applying the Anna Karenina principle to animal microbiomes. Nature Microbiology 2 (2017): 17121.